HALLO, ES GIBT UNS NOCH

Wo gehen wir denn hin? Immer nach Hause. (Novalis)

Wir haben uns nun bereits ein paar Monate nicht mehr gemeldet – es war uns einfach nicht danach. Manchmal rücken solche Dinge in den Hintergrund, vor allem dann, wenn es wirklich um etwas geht und oft auch dann, wenn alles anders kommt als man denkt. So ist es uns nach unserer Rückkehr aus Andalusien in heimische Gefilde gegangen. Das war Ende Mai, nachdem wir unsere “Yamana” in Motril sicher an Land zurück gelassen hatten. Eingestellt waren wir auf einen Sommer in Deutschland, so wie die letzten Jahre davor auch. Doch sehr schnell sollte sich Vieles anders entwickeln.

Ein Hilferuf vom Gardasee

Es klang nach einem Hilferuf meiner Mutter am Telefon. Meinem Vater würde es nicht gut gehen, ob ich sie nicht vorzeitig abholen könnte. Sie waren zu der Zeit wie jedes Jahr für 4 Wochen am Gardasee mit ihrem Wohnmobil auf einem Campingplatz. Kurzfristig buchte ich einen Sitz im Flixbus nach Verona und war am nächsten Tag abends vor Ort. Mein Vater war irgendwie ziemlich weggetreten und erkannte mich kaum. Zudem war er so schwach, dass er nicht mehr auf den eigenen Beinen stehen konnte. Schwer wie ein Mehlsack verfrachteten wir ihn im Wohnmobil ins Bett und traten sofort die Heimreise an. Ich war mir zu dem Zeitpunkt nicht sicher, ob er diese Nacht im Auto überleben würde. Zurück in Deutschland lieferten wir ihn am frühen Morgen direkt in der Notaufnahme im Krankenhaus ab, wo er ab diesem Zeitpunkt gut versorgt wurde.

Mach’s gut Vaddern

Vom Wohnmobil ins Krankenhaus – das passte zu ihm. Man stirbt so wie man gelebt hat. Eine Woche hielt uns sein Kampf in Atem, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt war klar, dass er es nicht mehr lebend zurück nach Hause schaffen würde und es auch nicht wollte. Was soll man sagen, wenn jemand mit über 90 Jahren Alterspräsident auf dem Campingplatz war und sich dann halt verabschiedet. Kein Altersheim, kein Pflegeheim, kurz und schmerzvoll tschüss!

Es stimmt, irgendwie ist es für einen Abschied immer zu früh, egal wie alt jemand ist. Der Verstand sagt natürlich etwas anderes, aber der Vater ist ja nicht irgendwer, sondern man verbindet mit ihm sehr Vieles. Und es war nicht so, dass wir Jahre oder gar Jahrzehnte im Streit verbracht haben, sondern ganz im Gegenteil. Er war mit mir unterwegs als ich als junger Kerl Fernfahrer war, beide Eltern waren mehrere male in Südamerika und haben an einer Reise teilgenommen, ich habe mit ihm fast an allen neuen KONDOR Tours Reisemobilen geschraubt und sie fertig gemacht und noch Einiges mehr. Sozusagen ein langjähriger Lebensgefährte, der nun gegangen ist. Das Ende seines Weges war irgendwie vorhersehbar, doch natürlich nicht das wann und wie.

Wie geht es nun mit Muttern weiter

Die nächsten Wochen waren wir damit beschäftigt, in erster Linie die Beerdigung und alles was damit zusammen hängt zu regeln bzw. in die Wege zu leiten. Meine Mutter war dabei sehr hilfsbereit aber auch sehr hilfsbedürftig, am Meisten machte ihr das Alleinsein im Haus nach 67 gemeinsamen Ehejahren zu schaffen. So nahmen wir Sie übergangsweise zu uns und fingen danach sehr langsam an, Sie wieder an ihr Zuhause zu gewöhnen. Wir denken, dass Sie mittlerweile auf einem guten Weg ist, in Zukunft alleine leben zu können. Seniorenhilfsorganisationen in der Nähe haben sich als möglicher Anker in ihrem Leben entpuppt, wo man Menschen kennen lernen kann, denen es ähnlich geht.

Unsere Pläne für die nächsten Monate

Nach einigen Überlegungen hatten wir uns nach dem Tod meines Vaters dazu entschlossen, das Wohnmobil der Eltern zu übernehmen. Dazu war jedoch eine Generalsanierung des 17 Jahre alten Peugeot notwendig, die über 2 Monate in Anspruch genommen hat. Gleichzeitig haben wir unseren VW Bus wieder verkauft, was glücklicherweise gut geklappt hat. Unsere Segelpläne sind für dieses Jahr auf Eis gelegt. Wir wollen jetzt erst einmal abwarten, wie sich Muttern in ihrem neuen Leben zurecht findet. Da die “Yamana” sowieso an Land steht, werden wir sie bis nächstes Frühjahr auch dort stehen lassen. Die Marina Motril war diesbezüglich sehr kooperativ.

Ende nächster Woche werden wir jedoch zu einem mehrwöchigen Roadtrip in Richtung Spanien und Portugal starten und natürlich auch bei unserem Boot vorbei schauen. Es gibt noch das eine oder andere zu schrauben und wir wollen die “Yamana” für den kommenden Winter etwas besser einpacken.

Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt doch, wenn es plötzlich dunkel ist.