ANGEKOMMEN IM MITTELMEER

Das Schlimmste in allen Dingen ist die Unentschlossenheit.(Napoleon Bonaparte)

Eigentlich war das Mittelmeer gar nicht unser ursprüngliches Ziel – falls wir je ein genaues Ziel hatten. Eher dann noch die Kanaren – doch dazu hat dann letztendlich nicht das Wetter und auch nicht unsere aktuelle Lebenssituation gepasst. So haben wir uns entschlossen, erstmal in Richtung Osten zu fahren und vielleicht irgendwann später wieder in den Atlantik zurück zu kehren. Bislang eine gute Entscheidung wie wir finden und mal sehn, was sich noch daraus entwickelt.

Tschau Rota

Fast den ganzen Februar sind wir noch in Rota und wettern dort die Winterstürme ab. Im nachhinein betrachtet war der Hafen für die brutalen Unwetter dann doch ganz gut geschützt, wenn es uns auch das ein oder andere mal ziemlich bange war. Überhaupt ist es natürlich immer so eine Sache, wenn man sein Schiff über den Winter in irgendeinem Hafen lässt und selbst über 2000 Kilometer entfernt zuhause sitzt. Da kann man nicht eben mal kurz selbst nach dem Boot schauen, sondern ist auf die Hilfe und den “Good Will” von Stegnachbarn und Marina-Mitarbeiter angewiesen, die ein Auge auf Leinen und Fender haben. Mal sehn, wo und wie wir den kommenden Winter verbringen werden.

Irgendwann kam der Tag der Abreise von Rota dann doch. Vorbei an Cadíz und durch zu der Zeit sehr ruhige Orcagewässer erreichten wir Barbate. Als Hauptstadt des Thunfischfangs war die Saison noch nicht eröffnet – gut für uns, weil die sonst weit in den Atlantik hinaus errichteten Thunfischnetze noch nicht aufgebaut waren. Der Hafen ist super geschützt – wahrscheinlich besser als Rota – und hat uns trotz manchmal anderweiliger Meinungen gut gefallen. Die Umgebung ist traumhaft mit Kiefernwälder bewachsen und bietet sehr schöne Wandermöglichkeiten.

Knifflige Passage

Man kann in die Wetterapps reinschauen wann man will – die Straße von Gibraltar ist fast immer “bewindet” – entweder von West nach Ost oder halt von Ost nach West. Dazu kommen nicht unerhebliche Strömungen, denn der Wasserspiegel des Mittelmeers liegt etwa 3 Meter unterhalb des Atlantiklevels. Deshalb ist die Fahrt ins Mittelmeer prinzipiell einfacher als anders herum und trotzdem bleibt in uns ein aufregendes Gefühl vor dieser Passage. Wir hatten uns laut Wetterprognose einen erträglichen Tag ausgesucht, der es aber dann doch ziemlich in sich hatte. Vorhersage und Wirklichkeit driften manchmal weit auseinander. Der Weg bis zur Einfahrt in den “Estrecho” hat uns ordentlich durchgerüttelt und wieder mal waren wir froh, ein robustes Schiff zu haben. Bei Gegenwind haben wir uns fast mit Vollgas um die Spitze bei Tarifa geschoben – wenigstens hat sich dann der Seegang in Richtung Gibraltar etwas beruhigt. Ziemlich wackelig auf den Beinen haben wir dann in La Linea festgemacht.

Leider hatte uns die Hafenverwaltung sehr ungünstig platziert – genau in der Einflugschneise von Nordwestwind – der dann auch promt kam. Wieder einmal hatten wir eine schlaflose Nacht hinter uns zu bringen, die Yámana ächzte und stöhnte in den Leinen – und wir mit. Nach einem Besuch im benachbarten britischen Gibraltar machten wir uns deshalb alsbald auf den Weg, um endgültig in das Mittelmeer einzufahren.

Costa del Sol und Costa Tropical

Beide sonnig klingende Küstenregionen Südspaniens liegen in Andalusien. Und sie waren bei uns auch recht sonnig und warm, so dass wir ab da in die kurze Bordbekleidung wechseln konnten. Stationen an diesem Küstenabschnitt waren für uns Estepona, Fuengirola, Caleta de Vélez, Motril und Adra. Entgegen einiger eher negativen Aussagen zu diesem Gebiet können wir dem entgegen auch Positives berichten. Estepona lohnt auf jeden Fall. Man hat sich mit der toll begrünten Strandpromenade und der sehr schönen Altstadt viel Mühe gegeben. Fuengirola ist auch ganz nett, aber mit vielen Touristen überschwemmt. Caleta de Vélez ist gemütlich, klein und hat einen sehr kuscheligen Hafen – wenn man denn reinkommt. Motril hat einen guten Arbeitshafen, aber die Stadt an sich ist von dort aus sehr weit weg. Dagegen ist der holzbeplankte Strandweg ganz neu und toll zu gehen. Wir sind einmal von Motril nach Salobrena zu dessen erhöhtem Castillo gewandert – das waren hin- und zurück schlappe 25 Kilometer. Auch nach Granada und in die Sierra Nevada zum Wandern ist es nicht weit, außerdem erfrischt das Grün der Landschaft mit seinen vielen Früchten. In Adra sind wir jetzt schon einige Zeit. Die Stadt ist völlig untouristisch und passt daher sehr gut zu uns. Außerdem ist der Hafen ruhig, sicher und dazu recht günstig.

Apropos Häfen: nicht nur einmal haben wir nun bereits das zeitweise unruhige Mittelmeer erlebt. Heftig war es in Fuengirola und Motril, wo es durch die Strömungen (Mar de Fondo – wie die Spanier sagen) zu einer Schaukelpartie ohnegleichen kam. Aus diesem Grund haben wir jetzt mit Stahlfedern und Schäkeln unsere Festmachmöglichkeiten aufgerüstet – was wir bislang vom Atlantik nicht so kannten.

Alles Vollgebaut

Wie überall auf der Welt zieht es die Menschen ans Meer. Hier in Spanien ist das nicht anders, weshalb die Küste fast überall sehr dicht bebaut ist. Marbella und Málaga, aber auch andere Städte sind die Paradebeispiele. Anscheinend hält der Bauboom immer noch an, denn oft sieht man Kranen stehen, die weitere Wohnanlagen hochziehen. Unserem Geschmack entspricht das gar nicht so – aber wir haben schon oft fest gestellt, dass die Spanier da weniger sensibel oder anspruchsvoll sind.

Da sich unser jetziges Zeitfenster bereits langsam zu Ende neigt, haben wir uns in den letzten Wochen nach einem Platz für die Yámana umgeschaut. Es ist nicht so einfach das Passende zu finden, wenn Sicherheit, Preis und Leistung einigermaßen stimmen soll. Deshalb werden wir demnächst in Motril auskranen, das Unterwasserschiff neu streichen und die Yámana für die kommenden Monate an Land stellen.

Wir können die Ansichten der anderen akzeptieren, ohne die eigene zu verlieren. (Monika Kühn-Görg)

Hier geht’s zu unserem neuesten YouTube-Video “VOM ATLANTIK INS MITTELMEER”